In diesem Artikel
In 30 Sekunden
- 01Ein Bewertungsraster legt fest, was Sie bewerten und wie jede Leistungsstufe aussieht.
- 02Es funktioniert am besten mit drei bis sechs Kriterien und vier Stufen, die mit beobachtbaren Merkmalen beschrieben sind.
- 03Teilen Sie es vor der Aufgabe: So hilft es beim Lernen, nicht nur beim Benoten.
01Was ist ein Bewertungsraster?
Ein Bewertungsraster verbindet zwei Dinge: die Kriterien, also die Aspekte, die Sie bewerten (zum Beispiel die These oder die Rechtschreibung eines Aufsatzes), und die Leistungsstufen, die beschreiben, wie jedes Kriterium aussieht, wenn die Arbeit sehr gut, gut, ausreichend oder ungenügend ist.
Es gibt zwei Hauptformen:
- Analytisch: Jedes Kriterium wird einzeln bewertet. Das ist für Rückmeldungen am hilfreichsten, weil die Lernenden genau sehen, was sie verbessern können.
- Holistisch: Die Arbeit erhält eine einzige Gesamtbewertung. Das geht schneller, erklärt aber weniger.
Dieser Artikel behandelt das analytische Raster, das im Unterricht am häufigsten verwendet wird.
02Ein Bewertungsraster in 6 Schritten
Gehen Sie vom Lernziel aus
Bevor Sie an die Tabelle denken, fragen Sie sich, was die Lernenden mit dieser Aufgabe zeigen sollen. Lautet das Ziel „mit Belegen argumentieren“, steht genau das im Mittelpunkt des Rasters; alles andere ist zweitrangig.
Wählen Sie drei bis sechs Kriterien
Jedes Kriterium sollte nur eine Sache bewerten und sich nicht mit den anderen überschneiden. Mit weniger als drei sagt das Raster wenig aus, mit mehr als sechs wird es schwer anzuwenden und zu verstehen.
Legen Sie die Leistungsstufen fest
Vier Stufen funktionieren meist am besten: sehr gut, gut, ausreichend und ungenügend. Eine gerade Zahl vermeidet die bequeme Mittelstufe und zwingt zur Entscheidung, ob die Arbeit über oder unter den Erwartungen liegt.
Beschreiben Sie jede Stufe mit beobachtbarem Verhalten
Das ist der wichtigste Schritt. Vermeiden Sie vage Adjektive wie „gut“ oder „angemessen“ und beschreiben Sie, was in der Arbeit zu sehen ist. Statt „gute Argumentation“ schreiben Sie „jedes Argument stützt sich auf mindestens eine passende Quelle“.
Vergeben Sie Punkte oder Gewichtungen
Legen Sie fest, wie viel jede Stufe wert ist und ob ein Kriterium stärker zählt als ein anderes. Geht es in der Aufgabe ums Argumentieren, kann die Argumentation doppelt so viel zählen wie die Rechtschreibung.
Testen Sie es und teilen Sie es vor der Aufgabe
Wenden Sie das Raster auf ein oder zwei Beispielarbeiten an, um zu prüfen, ob es die Stufen gut unterscheidet. Geben Sie es dann zusammen mit der Aufgabenstellung an Ihre Lernenden weiter: So wissen sie von Anfang an, was erwartet wird.
Ein gutes Bewertungsraster schreibt man nicht, um eine Note zu rechtfertigen. Man schreibt es, damit Lernende vom ersten Tag an wissen, wie eine sehr gute Arbeit aussieht.
03Beispiel: Bewertungsraster für einen Erörterungsaufsatz
Dieses analytische Raster für die Sekundarstufe bewertet vier Kriterien mit jeweils vier Stufen:
| Kriterium | Sehr gut (4) | Gut (3) | Ausreichend (2) | Ungenügend (1) |
|---|---|---|---|---|
| These | Formuliert in der Einleitung eine klare, eigenständige und vertretbare These. | Formuliert eine klare, wenn auch wenig eigenständige These. | Die These ist vorhanden, aber vage oder nur zu erschließen. | Es ist keine These erkennbar. |
| Argumente und Belege | Jedes Argument stützt sich auf passende, korrekt zitierte Belege. | Die meisten Argumente sind angemessen belegt. | Belege sind spärlich oder kaum auf die These bezogen. | Behauptet, ohne Belege anzuführen. |
| Aufbau | Einleitung, Hauptteil und Schluss sind durch klare Übergänge verbunden. | Der Aufbau ist klar, mit einzelnen Brüchen. | Die Teile sind vorhanden, die Reihenfolge verwirrt aber stellenweise. | Es ist kein Aufbau erkennbar. |
| Ausdruck und Rechtschreibung | Fehlerfrei, mit präzisem und abwechslungsreichem Wortschatz. | Wenige Fehler, die das Verständnis nicht beeinträchtigen. | Häufige Fehler, die das Lesen teilweise erschweren. | Die Fehler verhindern das Verständnis des Textes. |
04Häufige Fehler beim Erstellen eines Rasters
- Überschneidende Kriterien. Wenn „Kohärenz“ und „Aufbau“ dasselbe messen, verlieren die Lernenden für denselben Fehler zweimal Punkte.
- Vage Beschreibungen. „Sehr gut“, „gut“ und „mittelmäßig“ erklären nichts. Jede Stufe sollte beim Lesen der Arbeit erkennbar sein.
- Zu viele Kriterien. Ein Raster mit zwölf Zeilen für eine kurze Aufgabe ist schwer anzuwenden und überfordert die Lernenden.
- Das Raster erst nach der Aufgabe austeilen. Ein Raster, das die Lernenden erst mit der Note sehen, rechtfertigt die Note, hilft aber nicht beim Lernen.
Häufige Fragen
Was Lehrkräfte am häufigsten fragen.
Wie viele Kriterien sollte ein Bewertungsraster haben?
Drei bis sechs sind am häufigsten. Weniger als drei geben den Lernenden wenig Information, mehr als sechs machen das Raster schwer, es schnell und einheitlich anzuwenden.
Wie viele Leistungsstufen sind sinnvoll?
Vier Stufen funktionieren in den meisten Fällen gut. Eine gerade Zahl vermeidet die neutrale Mittelstufe und zwingt zur Entscheidung, ob die Arbeit die Erwartungen erfüllt oder nicht.
Ist ein analytisches oder ein holistisches Raster besser?
Das analytische, wenn Sie ausführliche Rückmeldungen geben möchten, weil es zeigt, bei welchem Kriterium sich etwas verbessern lässt. Das holistische eignet sich, wenn viele Arbeiten schnell bewertet werden müssen und eine Gesamtnote genügt.
Soll ich das Raster mit den Lernenden teilen?
Ja, und zwar bevor sie mit der Aufgabe beginnen. Wer die Kriterien vorher kennt, kann seine Arbeit gezielter ausrichten, und die Note ist leichter zu verstehen und zu akzeptieren.


